31. Oktober 2009
Tropico 3: Der “Diktator Simulator” ist zurück – Geheimtipp für Aufbaustrategen
Statt sich voll und ganz auf das Weihnachtsgeschäft zu konzentrieren, brachten erstaunlich viele Publisher in diesem Jahr ihre Top-Titel im und um den Oktober auf den Markt. Bei all den Blockbustern – “Risen” (Release: 2.10.), “Brütal Legend” (15.10.), “Uncharted 2″ (16.10.), “Tekken 6″ (29.10) oder “Dragon Age: Origins” (05.11.), um nur einige zu nennen – ging ein Spiel ein wenig unter: “Tropico 3″, die Fortsetzung des “Diktator Simulators” aus dem Jahr 2001.
“Tropico 3″ setzt da an, wo der erste Teil der Serie seine großen Stärken hatte: es kombiniert komplexe Aufbaustrategie mit einer großen Portion schwarzem Humor. Du bist wieder “El Presidente”, der nicht immer ganz tadellose Führer einer beschaulichen Bananenrepublik in der Karibik. Es ist die Zeit des Kalten Krieges. Ob du nun den kapitalistschen Freunden aus den USA oder den kommunistischen Genossen aus der UdSSR die Hand reichst, ob du deine Insel zur Agrar- und Industrienation oder zum begehrten Reiseziel für Touristen entwickeltst und ob du deinem Volk freie Wahlen gestattest oder ihm die schwierigen Entscheidungen ersparst, die Demokratie mit sich bringt, entscheidest nur du: “El Presidente”.
Neu in “Tropico 3″ ist, dass du mit einem Avatar tatsächlich auch auf deiner Insel unterwegs bist – und sogar aktiv in das Geschehen eingreifen kannst, indem du etwa mit deiner Anwesenheit auf einer Baustelle die Arbeit dort beschleunigst. Am Anfang steht – fast wie in einem Rollenspiel – die Charaktererschaffung, in der du Aussehen und Fähigeiten (aber auch Unfähigkeiten) deines angehenden Diktators festlegst. Soll er ein notorischer Spieler sein, der regelmäßig die Staatskasse verzockt, oder ein Intellektueller, der bei der religiösen Fraktion einen schweren Stand hat? Oder ein ehemaliger Geheimagent?
Wie auch immer du dich entscheidest, beieinflußt den Verlauf des Spiels. Denn deine virtuellen Untertanen haben zu allem und jedem eine Meinung – selbsterverständlich auch zu ihrem Presidente. Sie sind mehr oder weniger zufrieden mit der Wohnungssituation und den Arbeitsbedingungen auf der Insel, unterstützen eine von mehreren politischen Fraktionen oder legen mehr oder weniger großen Wert auf gute Bildung oder eine angemessene Gesundheitsversorgung.
So solltest du stets die Zufriedenheit deiner Bevölkerung im Auge haben, während du deine Insel nach und nach zu einer blühenden Nation aufbaust. Zunächst benötigst du Bau- und Transportunternhemen, die die Rohstoffe von Farmen zu den Docks oder zu weiterverarbeitenden Gebäuden liefern. Wer Tabak und Obst exportiert, erhält zwar die ländliche Idylle der Insle, macht aber weit weniger Profit, als wenn er in einer Fabrik Zigarren oder Dosenfrüchte produzieren lässt. Alternativ kann man auch versuchen, die Insel zum Touristenparadies auszubauen – eine lohnende Einnahmequelle, wenn das Entertainment stimmt und man sich die schönsten Plätze nicht mit Industrie verbaut.
An ausreichend Entertainment sind selbstverständlich auch die Bewohner von Tropico interessiert. Sie wollen Bars, Restaurants und Nachtclubs. Außerdem verlangen sie nach halbwegs soliden Wohnungen, Ärzten und Krankenhäusern und Bildung. Je nachdem, wie anspruchsvoll der Job eines Inselbewohners ist, muss er eine High School oder ein College besucht haben. Wenn kein Einheimischer zur Verfügung steht, um eine vakante Stelle zu besetzen, muss man einen Gastarbeiter anheuern, was die Nationalisten meist gar nicht freut. Die religiöse Fraktion verlang irgendwann eine Kirche und später ein Kathedrale, und die Militaristen werden früher oder später eine größere Armee fordern.
So gilt es stets, neben dem Profit, den die Insel erwirtschaftet, auch die Befindlichkeit ihrer Bewohner im Auge zu behalten. Und nicht zuletzt den Stand des eigenen schweizer Bankkontos. Durch verschiedenen Edikte kann man in “Tropico 3″ die politischen Rahmenbedingungen festlegen, etwa den Umweltschutz staatlich verordnen oder die Sozialhilfe einführen – oder eben auch dafür sorgen, dass bei jedem Bauprojekt ein bescheidenere Anteil direkt auf das präsidentiale Nummernkonto überwiesen wird.
“Tropico 3″ bietet eine unfassende Kampagne mit 15 Missionen, die immer andere Anforderungen an den Spieler stellen. Außerdem gibt es einen Sandkastenmodus, in dem man einfach drauf los bauen kann. Optisch macht das Spiel einen sehr guten Eindruck – hat dafür aber auch recht hohe Hardwareanforderungen. Ein Prozessor mit mindestens 2,4 GHz, 1 GB Arbeitsspeicher und ein 256 MB-Grafikkarte, die Shader-Modell 3.0 unterstützt, sind Minimum.
Um ganz sicher zu gehen, dass “Tropico 3″ auf deinem PC läuft, lohnt es sich allemal, erstmal die Demo herunterzuladen. Die bietet ein ausführliches Tutorial, das dich mit den grundlegenden Funktionen des Spiels vertraut macht, und zwei Missionen der Kampagne.
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